Montag, 28. Februar 2011

Kapitel Zwei



Clenin stand auf der anderen Straßenseite, in einer kleinen Telefonzelle und wählte hektisch die Telefonnummer Twanns Polizeirevier. Inzwischen blickte der Polizist ständig den Tatort an, damit er ausgeschüttet blieb. Als die Telefonistin das Telefon endlich abnahm, meldete er ihr die Details des Verbrechens und bat ihr Backup zu schicken. Die Bedienerin bot an, die Polizeirevier der Stadt Bern anzurufen, den Mord des Leutnants zu melden. Sie bat ihn, ihr Schmieds Abzeichennummer, die in seiner Brieftasche war, zu geben. Clenin fingerte an der Brieftasche des Opfers, und rezitierte langsam die Nummer, die er dort fand. „5-9-3-0-3-4-9,“ sagte er. Sobald er die Nummer durchlas, knallte Clenin den Hörer zu, und rannte so schnell wie möglich zum Auto zurück. Er bemerkte, dass die rechte Wagentüre, die früher geöffnet stand, wurde unerklärlicherweise zugemacht. Der Polizist versuchte, die Tür zu öffnen, aber entdeckte sofort, dass sie geschlossen wurde. Verwirrt und schockiert eilte er, die anderen Türen zu probieren, nur zu erkennen, dass sie alle auch zugeschlossen wurden. Clenin schaute forschend durch das getönte Fenster des blauen Mercedes, und trat sofort einen Schritt zurück. Die Leiche, die er so aufmerksam beobachtete, lag nicht mehr hinter den Lenkrad. Der Fahrersitz war ganz leer. Der Polizist sah sich um aber konnte niemand auf der stillen nebligen Straße sehen.  Er kniete auf dem Bürgersteig nieder, und begann nach Beweismaterial durchzusuchen. Als Clenin auf allen vieren kniete, fuhr einen Radfahrer durch einer Pfütze vorbei, und  bespritzte den jungen Polizist mit kalten Wasser. Der überraschte völlig durchnässte Mann stand auf und begann sich abzutrocknen. Er spürte, dass etwas auf seiner Stirn geklebt wurde. Vorsichtig griff Clenin nach seinem Kopf, und schälte ein kleines Stück Papier ab. Er sah das blutbefleckte Stück an und bemerkte eine verblickte Adresse, die unter den Namen „ Schmied, Fischböck, Klausner, Grabner“  stand. Als er diese geheimnisvolle Nachricht las, kam die Twanner Polizei an.

Fortsetzung folgt.

wählen: to dial
das Polizeirevier: Police station
ausgeschüttete: undisturbed
die Abzeichennummer: Badge number
knallen: to slam
getönte: tinted
das Beweismaterial: evidence
kleben: to stick
schälen: to peel
blutbefleckte: blood-stained

Donnerstag, 17. Februar 2011

Der Fortsetzungsroman

Kapitel Eins (italicized words appear below text in translation; words in blue point to external internet sites)

Alphons Clenin, der Polizist von Twann, fand am Morgen das dritten November 1948 einen blauen Mercedes, der am Strassenrande stand. Es herrschte Nebel, wie oft in diesem Spätherbst, und eigentlich war Clenin am Wagen schon vorbeigegangen, als er doch wieder zurückkehrte. Es war ihm beim Vorbeigehen gewesen, nachdem er flüchtig durch die Fenster des Wagens geblickt hatte, als sei der Fahrer auf das Steuer niedergesunken. Er glaubte, dass der Mann betrunken sei. Er wollte daher dem Fremden nicht amtlich, sondern menschlich begegnen. Er trat mit der Absicht ans Auto, den Schlafenden zu wecken, ihn nach Twann zu fahren und im Hotel Bären bei schwarzem Kaffee und einer heissen Suppe nüchtern werden zu lassen, denn es war verboten, betrunken zu fahren, aber nicht verboten, betrunken im Wagen, der am Strassenrande stand, zu schlafen. Clenin öffnete die Wagentür und legte dem Fremden die Hand väterlich auf die Schultern. Er bemerkte im gleichen Moment, dass der Mann tot war. Die Schläfen waren durchschossen. Auch sah Clenin jetzt, dass die rechte Wagentüre offen stand. Im Wagen war nicht viel Blut, und der dunkelgraue Mantel, den die Leiche trug, schien nicht einmal beschmutzt. Aus der Manteltasche glänzte der Rand einer gelben Brieftasche. Clenin, der sie hervorzog, konnte feststellen, dass es sich beim Toten um Ulrich Schmied handelte, Polizeileutnant der Stadt Bern.

das Steuer: steering wheel
amtlich: on business
flüchtig: schnell
nüchtern: nicht betrunken sein
die Schläefen: temple (on your forehead)
die Brieftasche: wallet
feststellen: determine
Bern: Hauptstadt der Schweiz